Jahreskonzert 2015

 

Über 500 Besucher perfekt „entertaint“

Ein absolutes Highlight gelang dem Musikverein Wildbad mit seinen beiden Orchestern, der Jugendkapelle und der Stadtkapelle, unter der bewährten Leitung von Musikdirektor Martin Koch, beim Jahreskonzert am vergangenen Samstag in der Trinkhalle. Mit „Let me entertain you!“ hatten sich die Mitwirkenden eine überaus anspruchsvolle Aufgabe gestellt, die in hervorragender Weise zur Begeisterung der rund 550 Besucher in der voll besetzten Trinkhalle gelang.

Eröffnet wurde der Abend mit der Jugendkapelle, die mit 28 Mitwirkenden gekonnt drei passende Stücke spielten. Darunter „Mouthpiece Mania“, ein Bläserstück gemischt aus einigen bekannten Melodien, bei dem Niels Gauß und Farrell Günthner nur auf dem Trompeten-Mundstück spielten, während die anderen jungen Mitspieler das Stück auf ihren Instrumentendarboten. Dass man in einem halben Jahr instrumentalem Lernen und Üben durchaus schon beim großen Jahreskonzert mitmachen kann, bewiesen mit zwei kleinen Märschen zwölf „Anfänger“, die seit September des vergangenen Jahres den Musikunterricht besuchen. Viel Beifall gab es für die „Newcomer“ auf der Bühne.

Der neue Vorsitzende Peter Olles, er spielt selbst im Orchester die Posaune, freute sich in seiner Begrüßung über den ausgezeichneten Besuch ebenso wie über die tolle Motivation aller Mitwirkenden für diesen Abend, wobei die ansteckende Begeisterung des Dirigenten auf die Musiker durch die dargebotene Musik durchaus hörbar würde. Bei einem Durchschnittsalter von 34 Jahren bei den Mitwirkenden der Stadtkapelle spüre man, dass hier junge begabte Menschen bewusst Kunst und Kultur pflegten und keinen „weichgespülten Kuschelrock“ präsentierten.

Das Programm der Stadtkapelle mit knapp 50 Mitwirkenden unter Stabführung von Martin Koch wurde mit Robbie Williams‘ „Let me entertain you“ eingeleitet, bei dem Benedikt Stritt aus Altensteig als einer der „special guests“ gesanglich brillierte. Stritt hat vieljährige Gesangserfahrung, war er doch einer der Wiener Sängerknaben; er studiert inzwischen Gesang.

Zu den großen legendären Entertainern gehören Udo Jürgens ebenso wie Frank Sinatra, und in einem von Martin Koch arrangierten Mix aus „Ich war noch niemals in New York“ und „New York, New York“ boten Claudia Wehrstein und Benedikt Stritt eine tolle gesangliche Mischung, die viel Beifall bekam. „Summertime“ von George Gershwin, wurde sehr zurückhaltend aber überzeugend gespielt, mit Soloeinsätzen von Markus Bott (Posaune), Marco Oberle (Trompete), Stefan Schlecht (Flügelhorn) und Nina Dietz (Tenorsaxophon). Gefühlvoll und zurückhaltend erklang „Something stupid“ mit Claudia Wehrstein und Benedikt Stritt, instrumental begleitet von der Stadtkapelle. Claudia Wehrstein ist ausgebildete Sängerin, unterrichtet an der Musikschule Neuenbürg und ist Dozentin an einer Musikhochschule.

Vollen Big-Band-Sound gab es bei „The genius of Ray Charles“, einem Medley der bekanntesten Songs des blinden amerikanischen Musikers, dessen Einfluss stilprägend war für die Entwicklung von Rhythm and Blues, Blues, Country und Soul. Mit dem brasilianischen Bossa Nova „Girl from Ipanema“, wiederum von Claudia Wehrstein schwungvoll dargeboten, verabschiedete sich die Stadtkapelle in die Pause.

„Ode an die Freude“ stand nach der Pause auf dem Programm, jedoch im Arrangement von Martin Koch. Und das hatte es in sich! Denn auf die leere Bühne kam als einzige Musikerin Vanessa Podak mit der Bassklarinette und intonierte die bekannte Melodie der Europa-Fanfare. Sie blieb jedoch nicht alleine auf der Bühne, denn nach und nach kamen genau getimet die anderen Instrumentengruppen Flöten, Klarinetten, Saxophone, Trompeten und Posaunen, Tuben und Tenorhörner sowie die Schlagzeuger zu den Seitentüren vor und auf die Bühne. Alle stimmten in die Melodie ein, bis Martin Koch die Leitung übernahm, der schließlich das Publikum animierte die in der Projektion aufgezeigten Texte mitzusingen – ein riesiger Massenchor, instrumental und vokal, eine präzise musikalische Leistung mit einer tollen Bühnenpräsenz und exzellenter Choreographie. Dafür gab es vom begeisterten Publikum Standing- Ovations.

Nein, Joe Cocker, die im vergangenen Dezember verstorbene britische Ikone des Rock’n’Roll, trat nicht in der Trinkhalle auf, dafür jedoch als Joe-Cocker-Double Hans-Peter Kränzle, in der Region bestens bekannt als Pit von der Kultband Sergeant Pit. Mit seiner rauchigen Stimme und „You can leave your hat on“ begeisterte er die Trinkhallenbesucher.

1928 wurde die Dreigroschenoper in Berlin uraufgeführt, und am bekanntesten ist der Mackie-Messer-Song „Und der Haifisch, der hat Zähne“. Nicht nur stimmlich, sondern auch szenisch, überzeugte wiederum Benedikt Stritt den von Martin Koch arrangierten Song „Mack the knife“, begleitet von den Instrumental- Solisten Max Wöbking, Sarah Koch, Horst Oberle und Carmina Hohloch.

 

Den „Moonwalk“ zeigte allerdings keiner, zu dem Vanessa Podak eingeladen hatte, sie moderierte übrigens zwischen den einzelnen Darbietungen gekonnt die von Nina Dietz verfassten verbindenden Texte. Dafür gab es von der Stadtkapelle den Titel „Michael Jackson: King of Pop“, ein Medley mit den Hits „Thriller“, „Heal the World“, „Billie Jean“, „Earth Song“ und „Beat it“. In den 70er-Jahren entstand das Lied „Im Wagen vor mir“, das köstlich gesungen und gut interpretiert wurde von Ann-Kathrin Speidel und Benedikt Stritt – beide auf Bobbycars kutschierend.

Mit „Happy“ und Frank Sinatras „My way“ mit Benedikt Stritt und einem explosiven Sternenregen am vorderen Bühnenrand endete das tolle Programm, das eine große musikalische Bandbreite von Beethoven bis zu Michael Jackson aufwies und von den Laienmusikern, die engagiert mitmachten, alles verlangte. Die Freude der Akteure übertrug sich auf das Publikum, das mit anhaltendem begeistertem Beifall den Musikern und Sängern dankte für diese Show der Superlative, die gute Programmzusammenstellung, den Ideenreichtum, die Gags, das große Engagement aller Mitwirkenden und natürlich des Dirigenten Martin Koch.

Joe Cockers Song „I feel good“ mit Hans-Peter Kränzle und einem Goldkonfetti-Regen sowie das von Benedikt Stritt und Claudia Wehrstein wunderschön interpretierte „Hallelujah“ beschlossen das Jahreskonzert der Stadtkapelle, das mit einem begeisterungsfähigen Orchester, vielen vokalen und instrumentalen Solisten sowie einer beeindruckenden Bühnenshow neue Maßstäbe eines Blasmusik-Konzerts aufzeigte.

aus „Wildbader Anzeigenblatt“ vom 20/05 2015

von Götz Bechtle