Chronik des Musikvereins Wildbad


WILDBAD, der schon sehr früh weltbekannte Kur- und Badeort, war ebenso früh eine musikalische Pflegestätte. Schon im Jahre 1531 gab es ein Musikanten-Kleeblatt „im Wiltpad“. Fast drei Jahrhunderte schweigt aber dann die Chronik über die musikalische Tätigkeit. Erst aus dem Jahre 1823 wird dann wieder berichtet, dass „vier Wildbader Musensöhne die Curgäste in das Reich der Harmonien versetzt‘.

Eine im Jahre 1828 geschaffene, stationäre Musikbande konnte auch nicht gehalten werden. Es scheint sich auch nicht mehr viel Orts eigene Betätigung gezeigt haben. Kurz erwähnt findet man in alten Berichten ein „Wildbader Zinkenisten-Corps“, das aber wegen seiner „herzzerreißenden Produktionen“ nicht wieder in Dienst gestellt wurde. Es ist sehr schade, dass über dieses „Zinkenisten-Corps“ nicht mehr zu erfahren ist. Denn in ihm dürfen die Vorgänger der später im Jahre 1880 zustande gekommenen „Kappelmann‘schen Kapelle“ vermutet werden.

Die Kappelmann´sche Kapelle

Im Jahre 1880, so berichtet K. Gugenhan in der von ihm zusammengestellten Chronik, kam der Wunsch auf, auch hier in Wildbad wie andernorts eine Musikkapelle zu gründen. Sechs Männer haben sich zusammengetan: drei Kappelmänner, Wacker und Rapp und der Dirigent Schöninger, Stabstrompeter aus Engelsbrand. Diese „Kappelmann‘sche Kapelle“ gilt als die erste Musikkapelle Wildbads.

Zehn Jahre bleibt es dann wieder ruhig. Im Jahre 1890 wurde wieder eine Kapelle gegründet. Es waren: Der Dirigent Wörner, Luz (Maler), Link (Maler), Rothfuß (Glaser), Schmid (Zimmermann), Albert Hofmann, Fr. Seifert, WiIh. Brachhold, Fischer und Schweizer. Sie war zugleich Feuerwehrkapelle. Die Küche des Café Funk war das Probelokal.

Im Jahre 1896 fanden sich wieder einige Männer zum Musikmachen zusammen und gründeten für sich die so genannte „Turnerkapelle“. Man wird sich diese Kapelle, deren Dirigent Peterlein war und zu der die Männer Schmid, Hermann Bausert, Albert Bausert, Trippner und Krumm gehörten, merken müssen, denn sie verzeichnet zum ersten mal auch eine Abteilung Streichkapelle aus vier Mann. Man spürt aus den Berichten, dass etwas da war, was die musikliebenden und musikausübenden Männer nicht gleich zusammenkommen ließ. Der sicher immer gewünschte und begrüßenswert gewesene Zusammenschluss kam erst im Jahre 1913 zustande.

Der Musikverein

Das Jahr 1913 ist das Geburtsjahr des hiesigen Musikvereins. In diesem Jahr war es endlich tatkräftigen, jungen Männern gelungen, bestehende Spannungen zu lösen und den musizierenden Wildbadern die Lösung für eine gedeihliche, eigene Musikpflege zu bringen: die Gründung eines Musikvereins war in Erwägung gezogen worden. Der Verein sollte durch viele passive Mitglieder in der Lage sein, die Musiker zu unterstützen. Damit sollten finanzielle Schwierigkeiten weitgehend durch den Verein, nicht jedoch durch die aktiven Musiker, bereinigt werden. Das Unternehmen gelang. Ein „Eingesandt“ in der damaligen Zeitung „Der Freie Schwarzwälder“ gab den Anstoß, dass sich Mitglieder aus dem bestehenden Trommler- und Pfeifer-Corps und Musiker der seitherigen Kapellen zusammenfanden und die Gründung vollzogen. Als Gründer sind in den Vereinsberichten und in der Chronik von Gugenhan festgehalten: Gustav Luz, August Batt, Karl Rometsch, Fritz Rothfuß, Eugen Fuchslocher, Heinrich Rapp, Robert Henne, Heinrich Stirner, Adolf Wiedmaier, Karl Sturm, Theodor Hammer, Karl Großmann, Wilhelm Rothfuß, Hermann Zeller und Karl Rothfuß. Dirigent wurde Karl Bareis aus Pforzheim.

Stadtkapelle Wildbad im Gründungsjahr 1913

1. Gustav Luz, 2. August Batt, 3. Musikdirektor Bareis, 4. Karl Rometsch,
5. Fritz Rothfuss (Schreiner), 6. Eugen Fuchslocher, 7. Heinrich Rapp,
8. Robert Henne, 9. Heinrich Stirner, 10. Adolf Widmaier, 11. Karl Sturm,
12. Theodor Hammer, 13. Karl Grossmann, 14. Wilhelm Rothfuss,
15. Hermann Zeller, 16. Fritz Rothfuss


Die damaligen „Bürgerlichen Kollegien“ und die Einwohnerschaft spendeten Beiträge zur Instrumenten-Beschaffung - dann ging es an die Arbeit. Schon kurze Zeit später konnte der „Freie Schwarzwälder“ von abgelegten Proben berichten, die von Fleiß und Fortschritt zeugten. Jeden Sonntag spielte die Kapelle von der Höhe des Panoramaweges. Sie beteiligte sich auch an den Schulübungen der Freiwilligen Feuerwehr und erwarb sich dadurch das Anrecht zur später im Jahre 1914 noch erfolgten Wahl als Feuerwehrkapelle. Sie war dabei beim Fackelzug mit dem Turnverein zum Gedenktag der Völkerschlacht bei Leipzig und erhielt ihren ersten Verdienst von der Stadt für Choralblasen vom Turm des Schulhauses und anschließender Tagwacht. Bei der Einweihung des neuen Schulhauses am 6. Dezember 1913 stellte der junge Verein die Festmusik. Als die Kapelle in der Silvesternacht auf dem Kurplatz den Choral blies „Schon wiederum ein Jahr verschwunden“, konnte sie mit dem Verein auf ein Jahr großer Tätigkeit zurückblicken.

Das Jahr 1914 begann sehr hoffnungsfroh. Doch mitten in den Vorbereitungen für ein großes Konzert läuteten die Sturmglocken „Krieg“.

Der Vereinsbericht schließt mit den Worten: „Mit Gott für König und Vaterland“! Daran anschließend stehen die eigenhändigen Unterschriften aller aktiven Musiker, die zu den Waffen eilen mussten.

aus dem Vereinsbericht vom Jahre 1914:

August Batt, Karl Sturm, Robert Henne, Hermann Zeller und Karl Rothfuß, alle Mitbegründer des Vereins, fielen im ersten Weltkrieg.

Die Landsturmkapelle

Um nun während des Krieges nicht ganz ohne musikalische Betätigung zu sein, gründeten ältere Musiker die „Landsturmkapelle“. Sie trat in Aktion bei Siegesfeiern und bei Kriegerbestattungen. Nach dem Kriege löste sie sich wieder auf.

Wiederum war es der „Freie Schwarzwälder“, welcher zur Neugründung aufrief. Wieder fanden sich alte, bewährte Musiker und gründeten den Verein neu. Die Namen Gustav Luz, Karl Sauer, Hermann Bausert, Heinrich Stirner, Karl Großmann, Wilhelm Bausert, Franz Trippner, Fritz Rothfuß, Eugen Fuchslocher und Heinrich Rapp, sowie der Leiter dieser Kapelle (Nietzschmann) sind in der Chronik verzeichnet. Die Stadt hilft wieder mit finanzieller Unterstützung, und die Einwohnerschaft zeigt ihr großes Interesse durch zahlreichen Beitritt passiver Mitglieder. Gustav Luz, der erste Vorsitzende in diesem Jahre, hat das Vereinsschiff flottgemacht. Es steuert mit guten Erfolgen neuen Taten entgegen. Beinahe hätte es im Jahre 1921 dazu gereicht, auf Anregung des damaligen Stadtschultheißen K. Baetzner sonntags auf dem Kurplatz konzertieren zu dürfen. Badverwaltung und Kurverein lehnten aber ab. Es folgen Jahre abwechslungsreicher und schöner Tätigkeit und guter Erfolge. Es bildet sich echte Kameradschaft mit den Nachbarvereinen Neuenbürg und Höfen. Gemeinsame Doppelkonzerte werden abgehalten und gegenseitige Höflichkeitsbesuche getauscht, sowie in schöner Musikerfreundschaft musiziert. Im Jahre 1925 erfolgt der Beitritt zum Süddeutschen Musikerverband. Das Jahr 1927 sieht den Verein in angespannter Arbeit zur Vorbereitung auf ein Bezirksmusikfest.

Ein aktiver Vorstand mit Karl Rometsch als erster Vorsitzender, Gustav Luz als zweiter Vorsitzender, Konrad Gugenhan als Kassier und Gustav Eisele als Schriftführer, sowie einem tatkräftigen Ausschuss, bestehend aus den Männern Christian Kullenhardt, Karl Kallfaß, Wilhelm Gall, Heinrich Stirner, Wilhelm Großmann und Willi Drechsler machten sich mit „großer Schaffensfreudigkeit“ an die Vorbereitungen. Dieses Fest wurde zu einem glanzvollen Erfolg für die Arbeit und Mühe der Veranstalter. Welchen Auftrieb dieses Fest, das für die damalige Zeit und für einen so jungen Verein eine ausgezeichnete Leistung war, dem Verein gab, zeigt sich in den Berichten über die nachfolgenden Jahre. So spielte die Kapelle im Jahre 1931 allein sieben Kurplatz-Konzerte, drei Beleuchtungs-Konzerte und bei vielen anderen Anlässen. Nun endlich hatte sich guter und wahrer Volksmusikergeist eingestellt. Kapelle und Verein hatten ihre Aufgabe gefunden, Mittler und Träger guter Volksmusik zu sein.

Vom Jahre 1935 ab schweigt die Chronik, als ob alle Mitglieder die Unechtheit und Unsicherheit der Zeit gespürt hätten. Ein so ergreifender Schluss der Vereinsarbeit, wie im Jahre 1914, ist im Kriegsjahr 1939 aber nicht vorhanden.


Im Jahre 1934 war es der Kapelle noch gelungen, einen ständigen in Wildbad wohnhaften Dirigenten zu bekommen. Es war der damalige Musik- und Chordirigent Eugen Armbrust. Die Arbeit des neuen Dirigenten kann verglichen werden mit der Arbeit des früheren Dirigenten Bareis. Unter beiden Dirigenten nahm der Verein eine erfolgreiche Entwicklung. Damit soll jedoch keineswegs die Tätigkeit der anderen Dirigenten, so z. B. des Dirigenten Max Eitel, Calmbach, herabgesetzt werden. Gerade er hat dem Verein gute Erfolge bei Wertungsspielen verschafft. Wie wertvoll aber die Tätigkeit des letzten Dirigenten vor 1939, des späteren Musikdirektors Armbrust war, zeigte die erfolgreiche Weiterentwicklung der Kapelle und des nach einem Aufruf durch Bürgermeister Kießling im Jahre 1950 neu gegründeten Musikvereins.

Wiederbeginn

Zwei Tatsachen sollen am Anfang der Betrachtungen zum Wiederbeginn der Arbeit des Musikvereins besonders erwähnt werden:

1. Mit der Verwaltungsratsitzung vom 15. Juni 1936 schließt der Chronist seine Berichterstattung in den dreißiger Jahren, obwohl der Verein weiterhin besteht. Wahrscheinlich ist dies eine Folge der veränderten politischen Situation im Dritten Reich, wobei ja auch die Vereine „gleichgeschaltet“ wurden.

2. Die Wiederaufnahme der musikalischen Tätigkeit fällt nicht in die Nachkriegszeit, sondern in einen Zeitabschnitt, als der zweite Weltkrieg noch nicht beendet war.

Durch Kriegseinwirkungen in Stuttgart kam ein in Musikkreisen hochgeschätzter Experte nach Wildbad (erstes Domizil war das Café Bechtle); es war Gottlob Mahle, Dirigent, Komponist, Wertungsrichter und „Musikerzieher“, wie er sich selber nannte.

Mit etwa 20 Schülern im Alter von zehn bis 14 Jahren begann Gottlob Mahle im Spätsommer 1944 mit den Musikproben (Beitrag pro Probe 1 RM, und dies dreimal wöchentlich!).

Die Schülerkapelle von 1944


Wenn man bedenkt, dass Gottlob Mahle zu Beginn seiner Tätigkeit bereits 83 Jahre alt war, so ist dies aus heutiger Sicht eine fast unglaubliche Leistung. Besonders bemerkenswert ist außerdem, dass aus diesem Kreis junger Musiker die Leistungsträger der folgenden Jahrzehnte für die Stadtkapelle hervorgingen.

Das Kriegsende beeinflusste längere Zeit das gesamte Geschehen des Musikvereins. Wichtig war es, darauf zu achten, dass das Instrumentarium erhalten blieb. Bereits einige Monate später wurden die Proben wieder aufgenommen: man führte die ersten Standkonzerte durch, außerdem wurden oft Ständchen für die aus Kriegsgefangenschaft heimkehrenden Wildbader gespielt.

Im Jahre 1946 übernahm Heinrich Stirner, ein ehemaliger Aktiver der Stadtkapelle, die musikalische Leitung. Allerdings war diese erste Nachkriegszeit nur vorübergehend von musikalischer Bedeutung, denn Vereine waren während dieser Zeit durch die französische Besatzungsmacht verboten worden. Auch die finanzielle Unterstützung fehlte völlig, und so musste man sehen, wie man einigermaßen zurechtkam.

Der offizielle Dirigent, Eugen Armbrust, war zu jener Zeit in russischer Kriegsgefangenschaft, er konnte also sein Amt nicht wahrnehmen. So musste die Zeit bis zu seiner Heimkehr sinnvoll genützt werden, was auch getan wurde.

Im Sommer 1948 verpflichtete man Alfred Hummel, Trompeter beim Kurorchester, als Dirigenten. Als Bläser war er natürlich ein Fachmann, und er brachte die Kapelle wieder auf einen beachtlichen Leistungsstand. Erst 1949 kehrte der lang erwartete, frühere Kapellenleiter Eugen Armbrust aus der Gefangenschaft zurück. Er übernahm sofort die Probenarbeit, dies allerdings nicht nur einmal in der Woche, sondern an zwei Tagen. Die Musiker von damals hatten den heutigen Spielern in der Stadtkapelle eines voraus: sie hatten mehr Zeit, trotz großer wirtschaftlicher Probleme. Am 30. Juni 1950 erfolgte die Wiedergründung des Musikvereins, dessen erster Vorsitzender Oberzugführer Karl Löffler wurde. Als weitere Klangkörper schlossen sich später das Mandolinenorchester sowie eine Akkordeonspielgruppe an.

Die Stadtkapelle im Jahre 1950

H.v.l.: Eugen Willig, Otto Eitel, Wilhelm Hammer, Erwin Schmid, Karl-Heinz Werner, Karl Werner.
M.v.l.: Theo Armbrust, Robert Krauß, Richard Härter, Fritz Hensier, Rudolf Wendel, Hans Zwadsich, Walter Hermann, Eugen Eitel, Heinz Eitel, Robert Schlegel.
V.v.l.: Gustav Eitel, Heinrich Günthner, Wilhelm Aberle, Dirigent Eugen Armbrust, Richard Fellhauer, Albert Kappelmann, Fritz Schmid.


Durch die Wiederaufnahme des Kurbetriebs in Wildbad wurden auch die Aktivitäten der Stadtkapelle erweitert: Kurkonzerte, Musizieren bei Enzanlagenbeleuchtungen und andere Auftritte bildeten einen erheblichen Anteil der musikalischen Aufgaben.

Auch auf Bezirksmusikfesten wurde man aktiv und für das 2. Bezirksmusikfest 1952 wurde der Musikverein Wildbad in die Pflicht genommen. 20 Kapellen nahmen am Wertungsspiel im Kursaal teil. Dies war der erste Höhepunkt nach der Wiedergründung des Vereins. Kurze Zeit vor dem Bezirksmusikfest löste Wilhelm Fahrbach seinen Vorgänger Karl Löffler im Amt des ersten Vorsitzenden ab.

Mit Wilhelm Fahrbach gewann der Musikverein einen versierten Vereinsmann, der dem Musikverein bis 1964 in souveräner und vereinsdienender Weise vorstand.

Im Laufe der folgenden Jahre tauchte dann auch die Frage einer einheitlichen Kleidung auf. Fast alle hatten in der Vorkriegs- und Kriegszeit Uniform getragen, und so war der Begriff „Uniform“ etwas verpönt. Jedoch war es dann 1954 so weit: die Stadtkapelle wurde sehr geschmackvoll neu eingekleidet.

Man war nun „uniformiert“, die Kapelle neben dem Musikalischen auch optisch aufgewertet. Nun wollte man auch über die Kreisgrenzen hinaus, um Erfahrungen zu sammeln. Dies geschah 1954 beim 1. Bundesmusikfest in Aalen, an dem über 140 Kapellen aus dem In- und Ausland teilnahmen. Stark motiviert und bestens vorbereitet fuhr man nach Aalen, voller Erwartungen. Diese wurden auch bestätigt durch einen ersten Rang mit besonderer Auszeichnung, da man 174 von 180 möglichen Punkten erreichen konnte. Als Ehrengabe bekam die Stadtkapelle eine B-Klarinette.

Festumzug beim Bundesmusikfest in Aalen 1954


Es folgten nun Jahre sehr erfolgreicher Auftritte im engeren und weiteren Heimatbereich ebenso wie in Österreich, wo man an Vorarlberger Musikfesten teilnahm.

Stadtkapelle in der Trinkhalle im Jahre 1954

Mitglieder : Hans Lutz, Karl-Heinz Werner, Eugen Zifle, Hanz Opel, Wilhelm Aberle, Karl Werner, Günther Skrozki, Otto Eitel, Theo Armbrust, Robert Schlegel, Heinrich Günthner, Kurt Wendel, Gerhard Braun, Werner Krauß, Richard Härter, Walter Hermann, Wilhelm Hammer, Fritz Schmid, Heinz Eitel, Heinz Haag, Eugen Eitel, Rudolf Wendel, Fritz Hänsler, Hans Zwazich, Dirigent Eugen Armbrust


1956 war man in Feldkirch (Mittelstufe) mit der maximalen Zahl von 120 Punkten sehr erfolgreich; auch in Dornbirn (Oberstufe) konnte man wieder einen guten ersten Rang erreichen.
1960 erfolgte ein dreitägiger Besuch des Saarländischen Bundesmusikfestes, bei dem sehr herzliche persönliche Bande geknüpft wurden.
Außer den routinemäßigen Auftritten und dem Besuch von Kreismusikfesten wandte man sich natürlich auch „höheren“ Aufgaben zu: so wurde u.a. bei der Sendereihe „Originale Blasmusik“ beim Süddeutschen Rundfunk mitgewirkt. Dabei kamen tatsächlich nur originale Werke zur Aufführung. Der damalige Dirigent der Stadtkapelle, Eugen Armbrust, war ein glühender Verehrer dieser Musikrichtung.
1964, nach zwölfjähriger Tätigkeit als erster Vorsitzender, gab Wilhelm Fahrbach sein Amt in jüngere Hände. Hierfür konnte Sparkassenfilialdirektor Walter Frautz gewonnen werden, ein Mann des Ausgleichs. Durch seine ruhige und sachliche Art konnte so manche kritische Klippe mit Erfolg umschifft werden.

Nach fast vier Jahrzehnte währendem Wirken, nicht nur in der Stadtkapelle, sondern auch in anderen musikalischen Funktionen (Liederkranz, Jugendmusikschule, Musiklehrer usw.), verstarb im Herbst 1973 Musikdirektor Eugen Armbrust. Sein Nachfolger wurde Fritz Kessler, ein Musiker der eingangs erwähnten Nachkriegsgeneration. In seine ersten Jahre als Dirigent der Stadtkapelle fiel auch die „musikalische Emanzipation“ der weiblichen Jugend als Bläserinnen. Nach etwas zögerndem Beginn fanden sich immer wieder Mädchen bereit, im Blasorchester mitzuwirken.

Fritz Kessler verstand es außerdem, die Kapelle auf einem guten Leistungsstand zu halten, eine Tatsache, die auch heute noch Bestand hat.

Hatte man in früheren Jahren (bis 1974) gesellige Unterhaltungen in der (alten) Turn- und Festhalle an der Bismarckstraße durchgeführt, so wurde durch die Erstellung einer reinen Sporthalle der Verein gezwungen, sich nach einem anderen Veranstaltungsort umzusehen.

Seit 1974 wurde deshalb das Veranstaltungsjahr mit dem zu einer guten Tradition gewordenen Konzert „Mit Musik in den Frühling“ im Kursaal des Staatsbades eröffnet, ein Konzert, das bei Einheimischen und Gästen großen Anklang fand. Außerdem traten natürlich die drei Orchester des Musikvereins, die Stadtkapelle, das Mandolinenorchester und das Akkordeonorchester, bei Bedarf bei verschiedenen Rundfunksendungen auf. Um vielen Wünschen aus den Kreisen der Zuhörer zu entsprechen, wurde 1986 eine Musikkassette mit allen Klangkörpern aufgenommen, die sich allgemein großer Beliebtheit erfreute.

Stadtkapelle in der Trinkhalle im Jahre 1983


1984, nach zwanzigjähriger Tätigkeit als 1. Vorsitzender, übergab Walter Frautz die Führung des Vereins in jüngere Hände. Sein Nachfolger wurde Hans Lutz, ein zuvor langjähriger Aktiver der Stadtkapelle. 7 Jahre lang war Hans Lutz nicht nur 1. Vorsitzender des Musikvereins, sondern auch Vizedirigent der Stadtkapelle. Unter seiner Amtszeit führte der Musikverein viele Wunschkonzerte als auch Freiluftkonzerte für die zahlreichen Kurgäste durch. Auch wurden erstmals große Faschingsveranstaltungen für die einheimische Bevölkerung in der Enztalhalle veranstaltet. Ein weiterer Höhepunkt war die Feier des 75-jährigen Vereinsjubiläums im Jahre 1988 verbunden mit der Ausrichtung des Kreismusikfestes. Diese Großveranstaltung mit einem Festzug von 30 Kapellen, 27 Festwagen und Fußgruppen sowie einem feierlichen Zapfenstreich erforderten vom Vorsitzenden und seinen Mitstreitern ein Höchstmaß an Arbeitskraft. Diese wurde aber durch die rege Teilnahme vieler Wildbader Bürger sowie tausender begeisterter Zuschauer und Zuhörer aus Nah und Fern belohnt.

Weitere Veranstaltungen, die besonders in Erinnerung bleiben und die unter Hans Lutz ins Leben gerufen wurden, waren die 2. Konzertreise nach Cogolin, der mitternächtliche Auftritt der Stadtkapelle am 3.10.1990 auf dem Kurplatz zur freudigen Feier der deutschen Wiedervereinigung sowie ein Benefizkonzert, dessen Erlös nach Russland ging. Für seine herausragenden Verdienste wurde Hans Lutz 1991 zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Stadtkapelle in der Trinkhalle im Jahre 1988


Von 1991 bis 2000 hatte nun Friedrich Bracht das Amt des Vorsitzenden inne. Mit ihm wurden für die Stadtkapelle neue Uniformen angeschafft. Bewährte Auftritte wurden fortgeführt und neue Höhepunkte kamen hinzu. So durfte die Stadtkapelle für die Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker (auf dem Sommerberg) und Roman Herzog (auf dem Kurplatz) spielen. Das Straubenbergfest erbrachte eine große Spende für die Multiple-Sklerose-Kranken und im Kursaal veranstaltete man mit der Vereinsjugend mehrere unvergessene Weihnachtsfeiern. Gemeinsam mit der Skizunft, der Turnabteilung und dem Fußballverein gelang es, die jährlichen Faschingsveranstaltungen in Wildbad fortzuführen.

Ständchen für den Bundespräsidenten Richard von Weizäcker am Sommerberghotel am 04.08.1991


Seit über 20 Jahren dirigierte nunmehr Fritz Kessler bereits die Stadtkapelle und schrieb damit sicherlich Musikgeschichte in Wildbad. 1998 konnte er sogar auf seine 30-jährige Leitung des damals noch zum Verein gehörenden Akkordeonorchesters zurückblicken. Mit seiner Verabschiedung als Leiter der Städtischen Jugendmusikschule in den verdienten Ruhestand legte er 1995 auch den Dirigierstab bei der Stadtkapelle nieder. Sein Nachfolger als Musikschulleiter und Dirigent der Stadtkapelle wurde Martin Koch, der auch heute noch die Geschicke des Orchesters leitet.

Mit Martin Koch gelang es in kürzester Zeit, wieder eine große Zahl junger Musiker an das Orchester heranzuführen, und so den Musikverein noch stärker in der Mitte der Bevölkerung zu integrieren. Anstelle des traditionellen Konzertes „Mit Musik in den Frühling“ trat nun ab 1998 ein großes Jahreskonzert der Stadt- und Jugendkapelle, das über die Jahre hinweg bis heute eine immer größer werdende Resonanz erfährt. Dieses Konzert ist musikalisch Themenbezogen ausgerichtet und gibt den Musikern der Stadtkapelle damit die Möglichkeit, die stilistische Vielfalt von Blasmusik, angefangen von Klassik über Musical, Filmmusik, Traditionelle Blasmusik, sinfonische Blasmusik bis hin zum Showprogramm, einem breiten Publikum zu präsentieren. Auch die regelmäßigen Kirchenkonzerte des Orchesters erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Unter Kochs Führung erreichte die Stadtkapelle in den vergangenen Jahren zudem ein für das sehr junge Durchschnittsalter bemerkenswertes Niveau, welches unter anderem der intensiven Probenarbeit in Form von Registerproben und einem einmal jährlich stattfindenden Probewochenende zu verdanken ist. Das daraus resultierende Können stellte die Stadtkapelle im Jahre 2004 auch beim Wertungsspiel in Göttelfingen unter Beweis, an welchem sie mit hervorragendem Erfolg teilnahm und somit an ihre erfolgreiche Tradition anknüpfte.

Stadtkapelle beim Wertungsspiel in Göttelfingen im Jahre 2004


Im Jahr 2000 trat Jürgen Lutz als Vorsitzender in die Fußstapfen seines Vaters Hans Lutz und bis heute – also bereits seit 13 Jahren - steht er an der Spitze des Vereins. Viele Jahre lang spielte er selbst Saxophon in der Stadtkapelle und war darüber hinaus für fast ein Jahrzehnt Schriftführer. Unterstützt wurde er über all die Zeit von Kurt Günthner, welcher sein Amt als 2.Vorsitzender bereits seit 14 Jahren ausübt und zuvor ebenfalls viele Jahre Saxophonist in der Stadtkapelle war.

2003 feierte der Verein sein 90-jähriges Jubiläum, das mit einem Festkonzert aller drei Klangkörper (Stadtkapelle, Mandolinenorchester, Akkordeonorchester) gebührend in der Trinkhalle gefeiert wurde. Darüber hinaus engagierte sich Jürgen Lutz und mit ihm der gesamte Musikverein sehr für den Erhalt der Trinkhalle als Konzertsaal, was letztendlich im Jahr 2005 durch den Förderverein Trinkhalle Wildbad e.V. auch gelang.

Neben den Vorsitzenden hat der Verein besonders auch den beiden Geschäftsführern Günter Schmid (16 Jahre lang) und Helmut Bürkle (25 Jahre lang) unendlich viel zu verdanken. Allein diese Konstanz in der Geschäftsführung über mehr als 40 Jahre hinweg hat dem Verein unglaublich viel an Halt und Tatkraft gegeben. Durch den zurückgegangenen Kurbetrieb ist es über die Jahre hinweg schwieriger geworden, den Verein finanziell gesund zu halten. Dankbar ist der Musikverein Wildbad deshalb um seine über 150 fördernden Mitglieder  sowie um die zahlreichen örtlichen Sponsoren.

Im Jahre 2004 trennten sich der Musikverein Wildbad und das Akkordeonorchester, das seitdem als eigenständiger Verein existiert. Das Mandolinenorchester, welches seit seiner Gründung im Jahre 1948 nunmehr seit 65 Jahren besteht, gehört weiterhin zum Musikverein Wildbad und wird seit 1987 von Sebastian Weber geleitet.

Das Mandolinenorchester erfreut beim alljährlichen Konzert in der Englischen Kirche und zahlreichen weiteren Auftritten sein Publikum. 2013 hat das Orchester zum zweiten Mal die Musikfreunde aus Thüringen eingeladen um mit ihnen gemeinsam zu musizieren. 

Im Jahr 2013 begeht der Musikverein Wildbad nun sein 100jähriges Jubiläum, weshalb von 9. Mai bis 12. Mai ein großes Fest gefeiert wird. Dank der erfolgreichen musikalischen Arbeit der letzten Jahre und der großen Unterstützung zahlreicher Helfer, von der Vorstandschaft über die Vereinsmitglieder bis hin zu zahlreichen Sponsoren, blickt der Musikverein Wildbad nicht nur auf eine erfolgreiche Vereinsgeschichte zurück, sondern richtet seinen Blick vor Allem in eine weiterhin erfolgreiche Zukunft.